Supramolekulare Biostrukturen
Optische Analyse der Struktur und Dynamik
supramolekularer biologischer Komplexe
Die Aufklärung der biochemischen und molekularbiologischen
Grundmechanismen
des Lebens und die Sequenzierung des Genoms einer Reihe von Organismen
und des Menschen hat völlig neue Einblicke in die für das
Leben
wesentlichen molekularen Prozesse ermöglicht. Verfahren der
Bioinformatik
und der kombinatorischen Chemie ermöglichen es, diese Kenntnisse
auch
für die Entwicklung neuer Pharmaka therapeutisch nutzbar zu
machen.
Dennoch bleibt die Erforschung der funktionellen dreidimensionalen
Struktur
und Dynamik der Organisation des Lebendigen eines der großen
Ziele
der Naturwissenschaften: Dem menschlichen Geist erschließt sich
das
Verständnis der Naturvorgänge mit größerer
Klarheit
über eine Anschauung der raum-zeitlichen Dynamik. Angesichts der
unübersehbaren
Reaktionsmöglichkeiten komplexer Systeme tritt die
Notwendigkeit
einer weiteren quantitativen Analyse und Modellierung dieser
raum-zeitlichen
Dynamik immer mehr ins Bewußtsein. - Vielfältige
Forschungsergebnisse
haben in den letzten Jahren deutlich gemacht, daß der zwischen
der
„klassischen” Ultrastrukturmikroskopie und Lichtmikroskopie
befindliche,
noch wenig erforschte Zwischenbereich zellulärer „Nano”-Strukturen
mit typischen Abmessungen von einigen 10 Nanometern (nm) bis einigen
100
nm von größter Bedeutung für die Organisation des
Lebendigen
ist. Dies ist der Bereich von funktionellen Gesamtheiten („Komplexen”)
biologischer Makromoleküle mit typischen Gesamtmolekulargewichten
von etwa 0,5 Megadalton bis einige hundert Megadalton. In einzelnen
Fällen
wird sogar der Bereich von 1 Gigadalton erreicht. Als Beispiele seien
die
dynamische Nanostruktur von Komplexen („Molekularen Maschinen”) des
membranassoziierten
Molekültransportes, der Proteinsynthese und –degradation, der
DNA-Replikation,
des Chromatin-Remodelling, des RNA-Splicing, der DNA-Reparatur sowie
von
genspezifischen Chromatin-Multiprotein-Komplexen genannt.
Das hier vorgeschlagene Schwerpunktprogramm soll neue Wege beschreiten
zur quantitativen empirischen Analyse und theoretischen
Modellierung
der supramolekularen dreidimensionalen Struktur und Dynamik solcher
„Molekularer
Maschinen”. Von der methodischen Seite möglich geworden ist eine
solche
Zielsetzung durch die in jüngster Zeit erzielten Fortschritte auf
dem Gebiete neuer mikroskopischer, insbesondere auch lichtoptischer
Verfahren
in Verbindung mit neuen Verfahren der spezifischen Markierung von
biologischen
Makromolekülen. Damit ist eine quantitative mikroskopische Analyse
der supramolekularen Strukturen auch in situ möglich geworden, das
heißt im Kontext der relevanten zellulären Strukturen,
letztlich
sogar in der lebenden Zelle. Ein vergleichbares Innovationspotential
besteht
bei der Computermodellierung. Anhand einiger ausgewählter
Beispiele
soll im Detail in quantitativer Weise analysiert werden, wie sich
einzelne
makromolekulare Untereinheiten in der Zelle zu funktionellen
Gesamtheiten
mit spezifischer raum-zeitlicher Dynamik zusammenfügen, und wie
diese
Bildung durch kontrollierte Veränderungen beeinflußt wird.
Wesentliche
Grundlage der Realisierung ist eine eng vernetzte Zusammenarbeit
zwischen
Gruppen aus Biochemie, Molekularbiologie und Zellbiologie, sowie aus
Physik
/ Optik, Biophysik, Chemie, Bildverarbeitung und Biocomputing.